1. WARUM DIESER LEITFADEN?
Seit dem Gründungskongress des Internationalen Jugendverbandes im Mai 2025 ist unsere Organisation schnell gewachsen. Dieses Wachstum zeigt sich nicht nur in der weitergehenden Verankerung der bestehenden Ortsgruppen. Es haben sich auch eine Reihe neuer Ortsgruppen gebildet. Der IJV geht in schnellen Schritten darauf zu, sich in ganz Deutschland zu konstituieren!
Wir bewerten dieses Wachstum als einen von vielen Ausdrücken einer steigenden Tendenz innerhalb der Jugend, die herrschende Politik nicht länger hinnehmen zu wollen und den organisierten Kampf für eine lebenswerte Zukunft in diesem Land aufzunehmen. Zugleich bewerten wir es als Ausdruck eines Bedarfs, die verschiedenen Kämpfe der Jugend auf einer gemeinsamen politischen und organisatorischen Plattform zu führen.
Dieses Wachstum stellt uns vor die positive Herausforderung, den inzwischen Hunderten Jugendlichen, die sich unserem Verband angeschlossen haben und anschließen möchten, noch mehr an die Hand zu geben, um die politische Arbeit bewusster zu gestalten, die tägliche Arbeit besser zu organisieren und den Kampf der Jugend zu stärken. Nach einer Reihe interner Schulungen geben wir diesen Leitfaden heraus, um die dort diskutierten Erfahrungen, Schlussfolgerungen und Methoden für die gesamte Organisation nutzbar zu machen.
Der Leitfaden stellt kein fertiges Rezept dar, das auf jeden Ort wie eine Schablone angewandt werden kann. Vielmehr soll er neben dem Programm dabei helfen, den richtigen Einstieg zu finden, das Beste aus unseren steigenden Möglichkeiten herauszuholen und unsere Ziele noch besser zu erreichen. Deshalb soll dieser Leitfaden nicht im Regal stehen bleiben. Er sollte bei Gesprächen mit neuen Mitgliedern, in Schulungen, zur Vorbereitung von Vorstandssitzungen, bei der Planung von Kampagnen, zur Auswertung von Veranstaltungen, bei Jahreshauptversammlungen und zur Übergabe von Aufgaben an neue Personen genutzt werden. Nach größeren Aktivitäten sollten wir deshalb immer fragen, was wir aus unseren Erfahrungen lernen können. Welche Methode hat funktioniert? Welche Fehler sollten wir künftig vermeiden? Welche Aufgabe war unklar? Welche neue Erfahrung sollte in den Leitfaden aufgenommen werden? Im Kern geht es uns also darum: gemeinsam schaffen wir mehr, 4als es jeder allein tun kann. Wenn wir kollektiv handeln, gemeinsam diskutieren und entscheiden, eine Aufgabenverteilung vornehmen und unsere Ziele verfolgen, sind wir mehr als nur die Summe unserer Einzelteile. Dann vereinigen sich die individuelle und kollektive Initiative zu einem Ganzen und wir können mehr erreichen. Ein wachsender Jugendverband braucht Menschen, die lernen wollen, genau dafür Verantwortung zu übernehmen. Er braucht klare Strukturen, solidarischen Umgang, politische Orientierung und praktische Erfahrung. Dieser Leitfaden soll dabei helfen. Er ist nicht abgeschlossen, sondern wächst mit der Organisation weiter!
In diesem Sinne wünschen wir allen Leserinnen und Lesern produktive Diskussionen, neue Erkenntnisse und viel Erfolg bei der praktischen Arbeit.
Der Bundesvorstand des IJV
WIE WIRKEN WIR INNERHALB DER JUGEND?
Wenn wir junge Menschen von unserem Programm überzeugen möchten, müssen wir unsere Positionen beständig zu ihnen tragen. Politische Arbeit bleibt wirkungslos, wenn sie nur intern besprochen wird. Unsere Aufgabe ist es, Jugendliche dort zu erreichen, wo sie leben, lernen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Wir müssen verständlich machen, warum ihre Probleme gemeinsame Ursachen haben, warum Organisierung notwendig ist und wie sie selbst Teil des Kampfes für eine lebenswerte Zukunft werden können!
Dafür nutzen wir verschiedene Formen der Ansprache. Kurze, zugängliche Formate wie Reden, Slogans, Banner, Plakate, kurze Videos, Social-Media-Beiträge und Flugblätter schaffen Aufmerksamkeit, bringen Themen auf den Punkt und machen Widersprüche sichtbar.
Ausführlichere Formate wie Artikel, Zeitungen, Infoveranstaltungen, Erklärvideos, Broschüren, Diskussionsveranstaltungen Schulungen vertiefen und dieses Interesse, erklären Hintergründe und zeigen gesellschaftliche bzw. strukturelle Zusammenhänge auf. Entscheidend ist, dass alle Formen verständlich bleiben, an den Erfahrungen der Jugendlichen anknüpfen und sie befähigen, unsere Position nachzuvollziehen und selbst aktiv zu werden.
Dafür braucht die Organisation eigene Medien, um ihre Positionen regelmäßig sichtbar zu machen: zentrale Publikationen, lokale und regionale Veröffentlichungen, Schul-, Campus- oder Betriebszeitungen, Social-Media-Kanäle, Flugblätter, Reden, Stellungnahmen und Praxisberichte.
DIE LAUTSCHRIFT
Unsere Zeitschrift hat dabei eine besondere Bedeutung. Sie ist nicht nur ein Material unter vielen, sondern ein Leitmedium unserer Organisation. Sie bündelt politische Bewertungen, gibt eine gemein same Stoßrichtung, verbindet verschiedene Orte miteinander und hilft, neue Gruppen aufzubauen und Kontakte zu halten. Auf ihrer Grundlage können weitere Publikationen entstehen, die allgemeine Einschätzungen auf konkrete Bedingungen an Schulen, Universitäten, Betrieben und in Stadtteilen anwenden.
Die Zeitschrift ins Zentrum unserer Arbeit zu stellen, bedeutet dabei mehr, als sie zu drucken und zu verschicken. Wenn Abonnenten ihre Ausgabe nur per Post erhalten, wissen wir nicht, ob sie gelesen wurde, ob der Inhalt ihren Bedarf trifft, ob Fragen entstanden sind oder ob Interesse an aktiver Mitarbeit besteht.
Persönliche Verteilung organisatorische schafft Verlässlichkeit und politischen Kontakt. Sie ermöglicht regelmäßige Gespräche, Rückmeldungen, neue Kontakte und Einladungen zu Treffen, Veranstaltungen oder gemeinsamer Aktivität.
DESHALB BRAUCHEN WIR EIN BEWUSSTES VERTEILSYSTEM.
Ein solches Verteilsystem braucht klare Verantwortlichkeiten. Es muss festgelegt werden, wer wie viele Ausgaben erhält, wer für welche Abonnenten zuständig ist, wie verteilt wird, wann Rückmeldungen gesammelt werden und wie sie an Redaktionen oder Vorstände gelangen. Bewährt haben sich Lesetreffen, Abholstände, feste Zuständigkeiten für Schulen, Universitäten, Stadtteile oder Betriebe sowie eine Kultur des Nachfragens. Wenn Menschen einen Artikel gut fanden, Kritik haben, einen Erfahrungsbericht schreiben wollen oder etwas nicht verstanden haben, ist das wertvoll. Rückmeldungen helfen uns, Sprache, Beispiele und Schwerpunkte besser an die Lebensrealität der Jugend anzupassen.
Die persönliche Austragung unserer Publikationen kann zu einem organisatorischen Gerüst werden. Wenn wir wissen, welche Jugendlichen unsere Zeitschrift lesen, wer ansprechbar ist, wer zu Treffen kommen möchte, wer Kontakte an Schulen oder Universitäten hat und wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, entsteht ein Netzwerk. Dieses Netzwerk hilft uns, den Verband systematisch aufzubauen und neue Aktive einzugliedern. Jede Ausgabe, jedes Flugblatt und jede Veröffentlichung sollten als Möglichkeit verstanden werden, Beziehungen aufzubauen und Menschen in die gemeinsame Arbeit einzubeziehen.
SELBST INHALTE PRODUZIEREN
Ebenso wichtig wie die Verbreitung ist die Produktion wirkungsvoller Inhalte. Unsere politischen Bewertungen dürfen nicht allgemein bleiben, sondern müssen auf die Bedingungen vor Ort angewendet werden: in Städten, Schulen, Universitäten, Berufsschulen, Betrieben und Stadtteilen. Nur so entstehen Texte, Reden und Materialien, die den Alltag der Jugendlichen treffen und verständlich machen, warum bestimmte Entwicklungen sie betreffen. Dafür braucht es politische Reaktionsfähigkeit. Vorstände und aktive Gruppen müssen regelmäßig diskutieren, welche Themen Jugendliche aktuell bewegen, welche Konflikte entstehen und ob es Proteste oder Bündnisse gibt, an denen wir uns beteiligen sollten. Auf dieser Grundlage entscheiden wir über die passende Reaktion, etwa durch Stellungnahmen, Flugblätter, Veranstaltungen, Infostände, Aktionen oder Social-Media-Beiträge. Entscheidend ist, dass aus politischer Bewertung konkrete Aktivität wird!
Gute politische Veröffentlichungen beantworten dabei möglichst konkret, was passiert ist, wen es betrifft, warum es ein Problem ist, welche gesellschaftlichen Ursachen dahinterstehen, welche Forderungen wir stellen und wie Jugendliche aktiv werden können. Wir dürfen nicht bei allgemeinen Thesen stehen bleiben. Wenn etablierte Parteien, Medien oder Institutionen bestimmte Argumente verbreiten, brauchen wir konkrete Gegenargumente, Sachkenntnis, klare Beispiele und eine verständliche Sprache. Unsere Texte müssen nicht vereinfachend oder oberflächlich sein, aber zugänglich. Länge, Ton und Aufbau richten sich danach, wen wir erreichen wollen und in welcher Situation wir sprechen.
Deshalb brauchen wir verschiedene Formen von Publikationen. Zentrale Publikationen geben gemeinsame Orientierung. Basis-Publikationen übertragen diese Orientierung auf konkrete Bedingungen, etwa an einer Schule, Universität, in einem Betrieb oder Stadtteil. Online Formate ermöglichen, kleinteiliger von unserer Arbeit zu berichten, auf tagesaktuelle Entwicklungen zu reagieren und Erfahrungen schneller zu verbreiten. Lokale und regionale Redaktionen können Entwicklungen und Aktivitäten verschiedener Orte zusammenführen. Sie stärken die Reaktionsfähigkeit, sammeln Erfahrungen und machen sichtbar, welche Fragen in welchem Bereich der Jugend besonders wichtig sind.
Wenn eine Organisation lernt, schnell und bewusst zu reagieren, wird sie als handlungsfähige Kraft wahrgenommen. Gleichzeitig sammelt sie Erfahrungen, baut Kontakte auf und entwickelt die Fähigkeit, politische Einschätzungen praktisch anzuwenden. Eine Stellungnahme oder ein Flugblatt ist deshalb nicht nur eine Meinungsäußerung, sondern ein Mittel, um Gespräche zu führen, Bündnisse aufzubauen, Kontakte zu gewinnen und die eigene Organisation sichtbar zu machen.
Nach außen wirken bedeutet dabei nicht, möglichst viele Materialien zu produzieren. Es bedeutet, politische Einschätzung, verständliche Sprache, persönliche Ansprache, systematische Verteilung, organisatorischen Aufbau und schnelle Reaktionsfähigkeit zu verbinden. Ein Flugblatt ist ein Anlass zum Gespräch. Eine Zeitung ist ein Mittel, Kontakte zu halten und neue Aktive zu gewinnen. Ein Social Media-Beitrag kann Menschen zu Veranstaltungen, Lesetreffen oder Aktionen führen. Eine Rede trägt unsere politische Einschätzung in eine Bewegung hinein.
POLITISCHE REAKTIONSFÄHIGKEIT ENTSTEHT JEDOCH NICHT ZUFÄLLIG. SIE BRAUCHT REGELMÄSSIGE DISKUSSIONEN, GUTE BEOBACHTUNG DER LAGE VOR ORT UND KLARE VERANTWORTLICHKEITEN.
Damit das gelingt, müssen bestimmte Tätigkeiten zur Gewohnheit werden: regelmäßig flyern, plakatieren, Infostände organisieren, Menschen ansprechen, Veranstaltungen bewerben, auf Demonstrationen organisiert auftreten, Reden vorbereiten, Banner, Fahnen und Materialien klären, Social Media bewusst begleiten und Erfahrungen dokumentieren.
Vor jeder größeren Aktivität sollte feststehen, wer welche Aufgabe übernimmt: Wer trägt Banner oder Fahnen? Wer ruft Slogans? Wer verteilt Flyer? Wer hält eine Rede? Wer macht Fotos oder Videos? Wer spricht mit Interessierten? Wer schreibt danach einen Bericht? Wer wertet die Aktion aus?
Viele haben anfangs Hemmungen, fremde Menschen anzusprechen, am Stand zu stehen, zu flyern, eine Rede zu halten oder Verantwortung für eine Veröffentlichung zu übernehmen. Das ist normal. Diese Fähigkeiten müssen gemeinsam gelernt werden. Erfahrenere Mitglieder sollten neue Aktive vorbereiten, mit ihnen üben, sie bei den ersten Einsätzen begleiten und anschließend gemeinsam auswerten. Hemmungen müssen ernst genommen werden, ohne zu vergessen, dass gerade diese Tätigkeiten entscheidend für unsere Außenwirkung und Entwicklung sind. Eine Organisation, die wachsen will, muss lernen, ständig nach außen zu treten, auf Entwicklungen zu reagieren und dabei besser zu werden.
Eine wichtige Rolle spielt die regelmäßige Berichterstattung über unsere Aktivitäten. Wenn wir unser Handeln mit Bildern und Texten zugänglich machen, erreichen wir mehr Jugendliche und ermöglichen zugleich den Erfahrungsaustausch innerhalb der Organisation. Deshalb sollte bei jeder Veranstaltung vorher festgelegt werden, wer berichtet und möglichst noch am selben Abend einen kurzen Artikel verfasst. So wird unsere Arbeit sichtbar und auch für den gesamten Verband nutzbar!
LEITFADEN FÜR JEDEN BERICHT:
- Was ist passiert? (Welche Art der Aktion? Gab es besondere Ereignisse?)
- Wo hat es stattgefunden? (Welche Stadt? Schule? Hochschule? Betrieb?)
- Wann war es? (An einem Aktionstag? Zu einem besonderen Anlass? Als Intervention?)
- Warum wurde es gemacht? (Was war der politische Anlass? Was waren die Forderungen? Vor welchem Hintergrund war die Aktion?)
- Wer war beteiligt? (Wie viele Personen? Welche Organisationen? Prominente Einzelpersonen? Wen betrifft es?)
- Wie wurde es gemacht? (Wie sah die Vorbereitung aus? Gab es Herausforderungen?)
2. WIE ERSTELLEN WIR EINEN ARBEITSPLAN?
Wenn wir politische Einschätzungen nicht nur formulieren, sondern in praktische Aktivität verwandeln wollen, brauchen wir Arbeitspläne und Kampagnen. Sie helfen uns, einzelne Aktivitäten in einen größeren Zusammenhang zu stellen und verhindern, dass wir nur von Termin zu Termin springen oder bloß auf das reagieren, was unmittelbar ansteht. Stattdessen ermöglichen sie, über einen bestimmten Zeitraum ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, Kräfte zu bündeln, neue Menschen einzubeziehen und unsere politische Arbeit sichtbar zu machen. Unsere Arbeitspläne entstehen dabei nicht im luftleeren Raum, sondern müssen immer den Gesamtarbeitsplan des Verbandes berücksichtigen. Ob durch bundesweite Aktivitäten oder durch ein zentrales Thema, das mit dem Kongress oder dem Bundesvorstand eine gemeinsame politische Stoßrichtung vorgibt: Nur wenn wir es schaffen, unsere Kräfte auf einen gemeinsamen Schwerpunkt auszurichten, entwickeln wir Schlagkraft. Diese wird jedoch nur dann wirksam, wenn sie auf konkreten Plänen beruht, die unter den jeweiligen Bedingungen vor Ort umgesetzt werden und sich mit diesen vereinigen.
Ein Arbeitsplan oder eine Kampagne beginnt in einem ersten Schritt mit der Frage nach der Ausgangslage. Wir müssen klären, welches Problem besteht, wen es betrifft, welche Stimmung es dazu gibt und welche Erfahrungen wir bereits gemacht haben. Dabei reicht es nicht, ein Thema allgemein wichtig zu finden. Wir müssen untersuchen, wie es sich konkret in unserem Ort, an einer Schule, Universität, Berufsschule, in einem Betrieb oder Stadtteil ausdrückt. Eine bundesweite Kampagne kann einen gemeinsamen Rahmen geben, wird aber erst lebendig, wenn wir sie vor Ort anwenden und mit den Erfahrungen der Jugendlichen verbinden.
Der zweite Schritt besteht darin, zu bestimmen, was wir erreichen wollen. Dabei geht es nicht nur um richtige politische Aussagen, sondern auch um organisatorische Ziele. Wen wollen wir erreichen? Welche Jugendlichen sollen neu mit uns in Kontakt kommen? Welche bestehenden Kontakte wollen wir enger einbeziehen? Welche Mitglieder können Verantwortung übernehmen? Wollen wir eine neue Basisgruppe aufbauen, Abonnenten gewinnen, eine Veranstaltung durchführen, eine Interessenvertretung stärken oder ein Bündnis aufbauen?
GUTE ARBEITSPLÄNE UND KAMPAGNEN VERBINDEN POLITISCHE FORDERUNGEN MIT ORGANISATORISCHEM AUFBAU.
Der dritte Schritt ist die konkrete Umsetzung. Hier wird festgelegt, welche Aktivitäten stattfinden, welche Materialien gebraucht werden, wer welche Aufgabe übernimmt und bis wann einzelne Schritte erledigt sein müssen. Eine Kampagne kann aus Flugblättern, Infoständen, Schul- oder Campusbesuchen, Veranstaltungen, Social-Media-Beiträgen, Reden, Demonstrationsbeteiligung, kulturellen Aktivitäten, Gesprächen mit oder Interessenvertretungen Bündnisarbeit bestehen. Entscheidend ist, dass diese Formen nicht nebeneinanderstehen, sondern auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind. Ein Arbeitsplan übersetzt diese Ziele in verbindliche Aufgaben. Er sollte nicht nur festhalten, dass „mehr Öffentlichkeitsarbeit“ oder „mehr Kontakte“ notwendig sind, sondern konkret beantworten, was wann von wem gemacht wird. Ein guter Arbeitsplan benennt Ziel, Zeitraum, Aktivitäten, Verantwortliche, Materialien, Kommunikationswege, Fristen und einen Termin zur Auswertung. So wird verhindert, dass Aufgaben unklar bleiben oder immer bei denselben Personen landen.
Arbeitspläne müssen regelmäßig überprüft werden. In jeder Sitzung sollte gefragt werden, ob wir vorangekommen sind, wo es Schwierigkeiten gab und welche Unterstützung nötig ist. Dabei geht es nicht darum, Menschen unter Druck zu setzen, sondern die Arbeit kollektiv verantwortbar zu machen. Wenn eine Aufgabe nicht erledigt werden konnte, muss geklärt werden, warum: War sie unklar formuliert? War die Person überfordert? Gab es zu wenig Unterstützung? War der Zeitplan unrealistisch? Durch solche Auswertungen lernen wir, besser zu planen.
Dafür sind Kritik und Selbstkritik entscheidend. Sie dürfen nicht als persönliche Angriffe verstanden werden, sondern sollen der Verbesserung unserer gemeinsamen Arbeit dienen. Konkret bedeutet das, diese Fragen zu stellen, um zu besprechen, wie Hürden überwunden werden können. Kritik sollte in den dafür vorgesehenen Gremien eingebracht werden, etwa in der Kommunikation mit dem Vorstand. Sie ist kein Selbstzweck, sondern soll helfen, unsere Praxis weiterzuentwickeln, um unser Programm und unsere Ziele besser zu erreichen. Wir müssen nicht jede Kritik übernehmen, aber zuhören und prüfen, wie sie uns als Organisation voranbringen kann. Kritik ist dabei keine Einbahnstraße, sondern es geht darum, dass jeder sich und sein Verhalten dabei selbst reflektiert.
Arbeitspläne und Kampagnen sind auch ein Mittel, neue Aktive einzubeziehen. Wer neu ist, sollte nicht nur zuschauen, sondern eine passende Aufgabe bekommen. Das kann zunächst etwas sein wie Flyer verteilen, beim Aufbau helfen, ein Plakat entwerfen, Fotos machen, jemanden zu einer Veranstaltung einladen oder bei einem Stand mitkommen. Aus solchen Aufgaben können mit der Zeit größere Verantwortlichkeiten entstehen. Eine gute Kampagne schafft deshalb nicht nur öffentliche Wirkung, sondern bildet neue Aktive aus.
Sportliche und kulturelle Aktivitäten spielen eine besondere Rolle, weil sie auch Jugendliche erreichen können, die nicht von selbst zu Demonstrationen, politischen Veranstaltungen oder Lesetreffen kommen. Fußballturniere, Festivals, Filmabende, Musikveranstaltungen, Workshops, offene Jugendtreffen oder Ausflüge schaffen niedrigschwellige Zugänge. Dabei sind Sport und Kultur mehr als Freizeitangebote. Sie schaffen Räume für Kontakt, Vertrauen und erste Erfahrungen mit gemeinsamer Organisation. Neue Menschen können Verantwortung übernehmen, etwa beim Aufbau, bei Technik, Werbung, Gestaltung oder Ansprache weiterer Jugendlicher. Solche Veranstaltungen sollten mit unseren politischen Inhalten verbunden werden, ohne sie zu überladen. Wichtig ist, eine passende Ansprache zu finden und konkrete nächste Schritte anzubieten. Kulturarbeit bedeutet zudem, Jugendliche nicht nur als Publikum zu sehen, sondern sie zu ermutigen, eigene Videos, Theaterprojekte, Musikauftritte oder andere Ausdrucksformen zu entwickeln.
3. WIE FUNKTIONIERT UNSERE ORGANISATIONSDEMOKRATIE?
Je größer eine Organisation wird, desto wichtiger werden klare Strukturen. Ohne sie entstehen schnell Unklarheit, Überforderung und Zufälligkeit. Struktur bedeutet aber nicht Bürokratie als Selbstzweck. Sie ist notwendig, damit eine wachsende Organisation handlungsfähig bleibt, Aufgaben sinnvoll verteilt, Erfahrungen weitergibt, Beschlüsse umsetzt und neue Mitglieder einbindet.
Unsere Organisation besteht aus verschiedenen Ebenen, die miteinander verbunden sind. Auf bundesweiter Ebene beraten Gremien die gemeinsame politische Richtung, fassen Beschlüsse und koordinieren die Arbeit zwischen größeren Zusammenkünften. Kongresse oder Delegiertenkonferenzen tragen Erfahrungen aus verschiedenen Orten zusammen und bestimmen allgemeine Aufgaben. Der Bundesvorstand setzt die beschlossene Richtung um, entwickelt Materialien und politische Einschätzungen und koordiniert die bundesweite Arbeit. Arbeitsgruppen, Redaktionen und regionale Koordinationen vertiefen einzelne Bereiche und stärken die Verbindung zwischen den Orten. In Regionalkoordinationen kommen Bundesvorstandsmitglieder und Aktive aus den jeweiligen Regionen zusammen, um die Arbeit unter den konkreten Bedingungen vor Ort zu beraten.
Diese bundesweite Struktur ist jedoch nur lebendig, wenn sie mit der lokalen Arbeit verbunden ist. Beschlüsse dürfen nicht in den Orten unbekannt bleiben, sondern müssen in Ortsvorständen, Mitgliederversammlungen und Basisgruppen diskutiert und angewandt werden. Umgekehrt müssen Erfahrungen aus den Orten in die Gesamtorganisation zurückfließen. Erfolgreiche Kampagnen, neue Basisgruppen, gute Erfahrungen mit Zeitschriftenaustragung oder überwundene Schwierigkeiten in der Mitgliederarbeit können der gesamten Organisation helfen.
Deshalb müssen Informationen in beide Richtungen fließen. Mitglieder vor Ort müssen regelmäßig erfahren, welche Diskussionen und Beschlüsse bundesweit geführt werden. Gleichzeitig müssen Berichte aus Orten, Basisgruppen, Kampagnen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen gesammelt und weitergegeben werden. Nur so kann eine Organisation aus ihren besten Beispielen und ihren Mängeln lernen.
Auf Ortsebene ist die Jahreshauptversammlung ein zentraler Sammelpunkt der Arbeit. Neben regelmäßigen Mitgliederversammlungen ist sie des die wichtigste Versammlung Jahres. Dort wird nicht nur ein Vorstand gewählt. Die Jahreshauptversammlung wertet die bisherige Arbeit aus, diskutiert die politische Lage, bestimmt die nächsten Ziele und legt die Richtung der Ortsarbeit fest. Sie ist damit ein Ort, an dem die Demokratie der Organisation praktisch wird. Eine Jahreshauptversammlung muss gründlich vorbereitet werden. Der Vorstand sollte einen Bericht über die bisherige Arbeit vorlegen, und auch Basisgruppen und Arbeitsbereiche sollten eigene Berichte vorbereiten. Entscheidend ist nicht nur, was stattgefunden hat, sondern die Bewertung: Welche Ziele hatten wir? Was haben wir erreicht? Wo sind wir zurückgeblieben? Welche neuen Mitglieder oder Kontakte konnten wir gewinnen? Welche Arbeitsbereiche haben sich entwickelt? Welche Probleme sind sichtbar geworden? Welche Schlussfolgerungen ziehen wir daraus?
Die Jahreshauptversammlung sollte außerdem die Lage in der Stadt und unter Jugendlichen bewerten. Welche Themen bewegen Jugendliche vor Ort? Wo gibt es Angriffe, Proteste, Bewegungen oder neue Möglichkeiten? Welche Rolle kann unsere Organisation im kommenden Jahr spielen? Daraus können konkrete Ziele entstehen: der Aufbau einer Basisgruppe, der Ausbau der Zeitungsverteilung, neue Abonnements, ein Festival, eine Kampagne an Schule oder Universität, die Stärkung einer Interessenvertretung oder die bessere Einbindung neuer Mitglieder. Demokratie bedeutet dabei nicht nur, abstimmen zu können. Beschlüsse müssen gemeinsam diskutiert, bewusst getroffen und anschließend gemeinsam umgesetzt werden. Mit den Beschlüssen einer Jahreshauptversammlung einigen wir uns darauf, gemeinsam zu handeln. Damit das funktioniert, müssen Beschlüsse verständlich, konkret und von der Mitgliedschaft getragen sein. Nach der Versammlung muss klar sein, welche Aufgaben daraus folgen und wer Verantwortung übernimmt.
Die Jahreshauptversammlung wählt außerdem den Vorstand. Dabei sollte gemeinsam überlegt werden, welche Zusammensetzung sinnvoll ist. Zentrale Arbeitsbereiche, wichtige Basisgruppen und Verantwortungsbereiche sollten in der Leitung der Ortsarbeit vertreten sein. Wenn sich zwischen den Versammlungen neue Anforderungen ergeben, kann der Vorstand durch Kooptierung erweitert werden. Wichtig ist, dass die Mitgliedschaft informiert wird und die Zusammensetzung des Vorstands der tatsächlichen Arbeit entspricht bzw. diese weiterentwickeln kann.
Eine beginnt mögliche Tagesordnung mit Begrüßung und gegebenenfalls Grußworten. Danach folgen eine politische Bewertung der Lage, die Auswertung der Vorstandsarbeit, der Basisgruppen, der Öffentlichkeitsarbeit, der Zeitung, der Mitgliederentwicklung und der Finanzen. Anschließend werden Ziele für das nächste Jahr diskutiert, Beschlüsse gefasst und der Vorstand gewählt. Am Ende sollten die nächsten Schritte festgehalten werden, damit die Versammlung Ausgangspunkt für die weitere Arbeit wird.
4. WIE ORGANISIEREN WIR UNS AN DER BASIS?
Wir streben an, Basisgruppen zur grundlegenden Organisationsform des IJV zu machen. In ihnen sollen sich möglichst viele Mitglieder und Menschen aus unserem Umfeld an unserer Arbeit beteiligen können. Sie ermöglichen es, die allgemeinen politischen Ziele der Organisation dort konkret zu machen, wo Jugendliche ihren Alltag verbringen und gesellschaftliche Probleme unmittelbar erfahren: in Schulen, Universitäten, Berufsschulen, Betrieben und Stadtteilen. Ohne Basisarbeit besteht die Gefahr, dass eine Organisation zwar richtige Positionen vertritt, aber zu wenig im tatsächlichen Leben der Jugendlichen verankert ist.
Die Bedeutung der Basisarbeit ergibt sich daraus, dass die Probleme der Jugend an konkreten Orten sichtbar werden: unterfinanzierte Bildung in überfüllten Klassen, kaputten Schulgebäuden, Leistungsdruck und fehlender Mitbestimmung; unsichere Perspektiven in schlechten Ausbildungsbedingungen, niedrig en Löhnen, befristeten Jobs oder Zukunftsangst; Rassismus, Sexismus und soziale Ungleichheit in konkreten Erfahrungen an Schulen, Universitäten, im Betrieb oder im Stadtteil. Dort müssen wir ansetzen, wenn wir aus allgemeinen politischen Problemen konkrete Kämpfe machen wollen.
Eine Basisgruppe kann entstehen, wenn sich an einem Ort mehrere Mitglieder oder Kontakte sammeln, ein konkretes Problem besteht oder eine politische Dynamik entsteht. Das kann eine Schule sein, an der Jugendliche gegen eine Maßnahme aktiv werden wollen, eine Universität, an der Kürzungen oder rechte Vorfälle diskutiert werden, eine Berufsschule mit gemeinsamen Problemen von Auszubildenden oder ein Stadtteil, in dem Jugendliche von Armut, Verdrängung, Polizeikontrollen oder fehlenden Räumen betroffen sind.
Vorstände und aktive Mitglieder müssen aufmerksam dafür sein, wo solche Potenziale entstehen. Wenn an einer Schule viele Kontakte bestehen, an einer Universität ein Thema viele Studierende bewegt oder in einem Stadtteil Jugendliche regelmäßig zusammenkommen, sollten wir nicht warten, bis sich von selbst eine Struktur bildet. Wir können Kennenlerntreffen organisieren, Lesetreffen vorschlagen, Flugblätter zu konkreten Problemen schreiben, kleine Veranstaltungen durchführen oder gemeinsam erste Aufgaben festlegen. Basisgruppen entstehen oft nicht durch einen formalen Beschluss, sondern durch kontinuierliche Arbeit an einem konkreten Ort.
Basisgruppen geben Mitgliedern und Interessierten die Möglichkeit, regelmäßig aktiv zu sein. Ab einer bestimmten Größe einer Ortsgruppe reicht es nicht mehr aus, alle nur über allgemeine Treffen einzubeziehen. Manche wissen dann nicht, welche Aufgabe sie übernehmen können, oder bleiben trotz Interesse passiv. Basisgruppen schaffen konkrete Räume gemeinsamer Arbeit und machen sichtbar, wer eingebunden ist, welche Kontakte bestehen und welche Aufgaben anstehen.
Wenn eine Basisgruppe wächst, kann sie eigene Koordinationsstrukturen oder Vorstände bilden. Das ist sinnvoll, wenn mehrere Aktivitäten, Treffen, Veröffentlichungen oder Kontakte koordiniert werden müssen. Hochschulgruppen, Schülergruppen, Arbeiter-AGs oder Stadtteilgruppen können Verantwortliche bestimmen, die die Arbeit vorbereiten, an den Ortsvorstand berichten und die Verbindung zur Gesamtorganisation sichern. Dabei darf die Basisgruppe nicht isoliert bleiben, sondern muss in den Gesamtarbeitsplan des Ortes eingebunden sein.
Die Verbindung zwischen Basisgruppen und Ortsvorstand ist entscheidend. Jede Basisgruppe sollte regelmäßig berichten, welche Entwicklungen es in ihrem Bereich gibt, welche Kontakte bestehen, welche Aktivitäten geplant sind und welche Unterstützung gebraucht wird. Der Ortsvorstand führt diese Berichte zusammen und entwickelt daraus eine gemeinsame Planung. So entsteht aus vielen einzelnen Bereichen eine Gesamtarbeit. Gleichzeitig können Erfahrungen aus einer Basisgruppe für andere nutzbar gemacht werden.
Zur Basisarbeit gehört auch die Arbeit in Interessenvertretungen. Schülervertretungen, Studierendenparlamente, ASten, Jugend- und Auszubildendenvertretungen oder andere Formen der Vertretung sind wichtige Orte, an denen Jugendliche ihre Interessen ausdrücken können. Der IJV ersetzt solche Strukturen nicht, sondern will sie stärken. Unsere Mitglieder können dort mitarbeiten, Forderungen einbringen, demokratische Beteiligung fördern und dazu beitragen, Interessenvertretungen mit breiteren Kämpfen der Jugend zu verbinden. Besonders in Großstädten haben Stadtteilgruppen eine wichtige Bedeutung. In Städten mit mehreren Hunderttausend oder Millionen Einwohnern reicht es oft nicht, nur als Gesamtortsgruppe aktiv zu sein. Stadtteilgruppen sind näher am Alltag junger Menschen: an Schulen, auf öffentlichen Plätzen, in Vereinen sowie in kulturellen und sozialen Einrichtungen. Sportliche, kulturelle und politische Aktivitäten bekommen dadurch einen konkreten lokalen Rahmen, können kontinuierlicher stattfinden, leichter zugänglich sein und mehr Menschen dauerhaft erreichen.
5. WIE FUNKTIONIEREN UNSERE VORSTÄNDE?
Der Vorstand hat die Aufgabe, die Arbeit der Organisation anzuleiten, zu koordinieren und weiterzuentwickeln. Er soll nicht alles allein erledigen, sondern die Organisation handlungsfähig machen: politische Einschätzungen entwickeln, Vorschläge erarbeiten, Aufgaben verteilen, Mitglieder einbeziehen, Basisgruppen unterstützen und die Umsetzung gemeinsamer Beschlüsse sichern. Das gilt sowohl für Ortsvorstände als auch für Vorstände von Basisgruppen.
Eine zentrale Aufgabe ist es, das politische Geschehen in der Stadt und in den Bereichen der Jugend zu verfolgen. Der Vorstand muss einschätzen, welche Entwicklungen Jugendliche betreffen, wo Bewegungen entstehen, welche Angriffe stattfinden und wie die Organisation reagieren kann. Daraus ergeben sich Stellungnahmen, Flugblätter, Veranstaltungen, Bündnisarbeit, Infostände, Demonstrationsbeteiligungen oder Kampagnen. Eine Organisation wird nur dann als politische Kraft sichtbar, wenn sie Ereignisse bewertet und bewusst eingreift.
Zur politischen Arbeit gehört auch Bündnisarbeit. Bündnisse sind oft sinnvoll, um gemeinsam mit anderen Gruppen, Initiativen, Gewerkschaften, Interessenvertretungen oder lokalen Bewegungen aktiv zu werden. Vor einer Beteiligung müssen wir klären, ob wir hinter den Forderungen stehen können und ob unsere eigenen Inhalte sichtbar bleiben. Wer an Bündnistreffen teilnimmt, vertritt keine private Meinung. Ziele und Positionen müssen vorher besprochen und Ergebnisse anschließend zurückgemeldet werden, damit die Bündnisarbeit kollektiv bewertet werden kann.
Vorstandssitzungen dürfen nicht nur daraus bestehen, To-dos abzuhaken. Der Vorstand braucht eine Gesamtperspektive: Wo stehen wir? Wie entwickeln sich Mitgliederzahl und Abonnenten? An welchen Schulen, Universitäten, Betrieben oder Stadtteilen sind wir verankert? Welche Ziele haben wir für die nächsten Monate und welche Schritte sind dafür notwendig? Dafür braucht es regelmäßige, gut vorbereitete Sitzungen, Protokolle, klare Aufgabenverteilung, Handlungsfähigkeit zwischen den Sitzungen und eine langfristige Jahresplanung.
Protokolle sorgen dafür, dass Beschlüsse, Aufgaben und Fristen nicht verloren gehen. Sie halten fest, welche Punkte diskutiert wurden, welche Beschlüsse gefasst wurden, wer welche Aufgabe übernimmt und bis wann sie erledigt werden soll. Gerade in einer wachsenden Organisation schaffen sie Verbindlichkeit und Orientierung. Zur laufenden Arbeit gehört eine klare Aufgabenverteilung. Verantwortlichkeiten sollten unter anderem für Publikationen und Verteilung, Finanzen, Mitgliederliste und Beiträge, Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, Basisgruppen, Veranstaltungen, interne Kommunikation sowie Material oder Technik geklärt sein. Verantwortung bedeutet nicht, alles allein zu machen, sondern den Überblick zu behalten, andere einzubeziehen, an Fristen zu erinnern und die Umsetzung zu sichern. So werden Überforderung vermieden und mehr Menschen sammeln Erfahrungen.
Ein Jahresplan hilft, die Arbeit langfristig zu gestalten. Wiederkehrende Termine, Aktionstage, Veröffentlichungen, Demonstrationen, Kampagnen, Camps, Festivals, Mitgliederversammlungen und Schulungen sollten frühzeitig eingeplant werden. So können Materialien vorbereitet, Verantwortlichkeiten geklärt und neue Menschen einbezogen werden. Der Jahresplan gibt unserer Tätigkeit einen gemeinsamen Rahmen und verbindet die Arbeit vor Ort mit bundesweiten Schwerpunkten. Auch Finanzen müssen verlässlich organisiert werden. Politische Arbeit braucht materielle Grundlagen: Räume, Druckkosten, Technik, Fahrten, Veranstaltungen oder Camps müssen finanziert werden. Deshalb müssen Ausgaben im Blick behalten, Einnahmen organisiert, Beiträge eingesammelt, Fördermöglichkeiten geprüft und eine transparente Übersicht geführt werden.
Eine weitere Aufgabe des Vorstands ist die Anleitung der Basisgruppen und die Zusammenführung der Tätigkeit im Ort. Wenn verschiedene Basisgruppen, Arbeitsbereiche und Kampagnen nebeneinander bestehen, muss der Vorstand sie in einem Gesamtarbeitsplan verbinden. Er sorgt dafür, dass alle Mitglieder über wichtige Aktivitäten informiert sind, zu Veranstaltungen mobilisiert werden und wissen, wo sie sich einbringen können. Mitglieder sollten sich mit Fragen, Unsicherheiten oder dem Wunsch nach einer Aufgabe an den Vorstand wenden können. Bei Demonstrationen und größeren Aktivitäten ist ein organisierter Auftritt wichtig. Vorher sollte geklärt werden, wer Banner und Fahnen mitbringt, Slogans vorbereitet, Flyer verteilt, eine Rede hält, Fotos oder Videos macht und Interessierte anspricht. Danach sollte ausgewertet werden, wie unser Auftreten war, welche Gespräche entstanden sind und welche nächsten Schritte folgen.
Der solidarische Umgang miteinander ist eine politische Frage und muss in den gewählten leitenden Gremien behandelt werden. Der Vorstand trägt die politische Verantwortung dafür, Rassismus, Sexismus, Ausgrenzung und Diskriminierung ebenso entschieden entgegenzutreten wie dem Schüren von Spaltung, Misstrauen und Vorurteilen. Angriffe auf das solidarische Miteinander muss der Vorstand ernst nehmen und mit geeigneten Maßnahmen beantworten. Dazu gehören die Prüfung von Vorfällen, die Unterstützung Betroffener und gegebenenfalls die Konfrontation der verantwortlichen Person bis hin zum Ausschluss bei schweren oder wiederholten Vorfällen sowie bei fehlender Einsicht. Ein Ausschluss aus der Ortsgruppe gilt für die gesamte Organisation und ihre Aktivitäten. Und in Absprache mit dem Bundesvorstand für Großveranstaltungen wie unsere Camps bestehen besondere Sicherheits- und Schutzkonzepte.
Eine Organisation, die für Einheit und Solidarität kämpft, muss diesen Anspruch auch im eigenen Umgang miteinander sichtbar machen!
6. WIE GEWINNEN WIR NEUE MITGLIEDER FÜR DEN VERBAND?
Der Vorstand trägt außerdem Verantwortung für Mitgliederarbeit. Mitgliedschaft ist nicht nur eine Formalität. Sie schafft Verbindlichkeit und bildet die Grundlage dafür, an der Demokratie der Organisation teilzunehmen. Jeder kann mitarbeiten und sich an Aktivitäten beteiligen. Aber über die Organisation entscheiden sollen diejenigen, die sich bewusst angeschlossen haben und sie mitgestalten wollen. Mitgliedsbeiträge stärken zudem die finanzielle Unabhängigkeit der Organisation. Der Vorstand muss deshalb wissen, wer Mitglied ist, wer regelmäßig aktiv ist, wer Interesse zeigt, wer eine Aufgabe hat, wer Unterstützung braucht und mit wem ein Mitgliedsgespräch sinnvoll wäre.
Neue Interessierte sollten nicht nur zu Veranstaltungen eingeladen werden. Man muss sich mit ihnen treffen, ihre Fragen beantworten, die Organisation erklären, gemeinsam das Programm lesen und beraten, wie sie sich einbringen können. Eine wachsende Organisation braucht eine bewusste Kultur, Mitgliedschaften abzuschließen und neue Menschen schrittweise in Verantwortung zu bringen. Viele Jugendliche, die zu uns kommen, teilen unsere Wut über die herrschende Politik, haben aber noch wenig Erfahrung mit organisierter Arbeit. Sie wissen oft nicht, wie eine Sitzung funktioniert, wie man eine Kampagne plant, wie man ein Flugblatt schreibt, wie man Menschen anspricht oder welche Verantwortung mit einer Mitgliedschaft verbunden ist. Deshalb darf ihr Einstieg nicht dem Zufall überlassen werden.
Neue Menschen brauchen Orientierung. Sie sollten persönlich begrüßt und ernst genommen werden. Ein erstes Gespräch sollte erklären, wer wir sind, wofür wir kämpfen, wie unsere Organisation aufgebaut ist und welche Möglichkeiten der Mitarbeit es gibt. Dabei sollte nicht nur geredet werden. Es ist genauso wichtig zu fragen, was die Person bewegt, welche Erfahrungen sie gemacht hat, wo sie lebt, lernt oder arbeitet, welche Interessen sie hat und welche Aufgaben sie sich vorstellen kann. Ein guter Ein stieg verbindet politische Diskussion mit praktischer Beteiligung. Neue Interessierte sollten die Möglichkeit bekommen, das Programm kennen zulernen, zentrale Texte zu lesen, Fragen zu stellen und an Diskussionen teilzunehmen. Gleichzeitig sollten sie möglichst früh eine konkrete Aufgabe übernehmen können.
Beteiligung entwickelt sich oft schrittweise. Am Anfang steht ein Kontakt, dann ein Gespräch, dann die Einladung zu einem Treffen oder einer Veranstaltung. Daraus kann eine kleine Aufgabe entstehen, später regelmäßige Mitarbeit, eine Mitgliedschaft und schließlich Verantwortung in einem Bereich, einer Basisgruppe oder im Vorstand. Dieser Prozess muss begleitet werden. Wenn Menschen nach einem ersten Treffen nicht wieder angesprochen werden, gehen viele Kontakte verloren. Deshalb braucht es eine bewusste Nachbereitung: Wer meldet sich nach der Veranstaltung? Wer lädt zum nächsten Treffen ein? Wer fragt nach, wie die Person die Diskussion fand? Wer schlägt eine passende Aufgabe vor? Nur so schaffen wir es, immer mehr zu werden, organisatorische Stärke aufzubauen und unsere Ziele noch besser zu erreichen.
Anhang:
WIE BAUEN WIR EINE NEUE ORTSRUPPE AUF?
Der Aufbau einer neuen Ortsgruppe ist eine zentrale Aufgabe einer wachsenden Organisation. Wenn sich der IJV in möglichst vielen Städten verankern will, müssen wir auch dort handlungsfähig werden, wo es bisher nur einzelne Kontakte, Interessierte oder erste politische Aktivitäten gibt. Eine neue Ortsgruppe entsteht nicht allein durch einen Beschluss, sondern durch kontinuierliche politische, organisatorische und persönliche Arbeit.
Am Anfang steht meist ein Kontakt oder ein kleiner Kreis von Jugendlichen, die über Demonstrationen, Infostände, Veranstaltungen, Social Media, die Zeitung, Camps, Festivals oder persönliche Bekanntschaften auf den IJV aufmerksam geworden sind. Wer Interesse zeigt, sollte zeitnah angesprochen, zu Gesprächen eingeladen und in die weitere Arbeit einbezogen werden. Gerade in Orten ohne feste Struktur kann jeder Kontakt zum ersten Kern einer neuen Ortsgruppe werden. Dieser Prozess findet unter Aufsicht des Bundesvorstandes statt.
Der erste Schritt besteht darin, einen politischen und persönlichen Zusammenhang herzustellen. Die Jugendlichen vor Ort müssen verstehen, warum der IJV notwendig ist, welche gemeinsamen Probleme sie betreffen und warum Organisierung eine Antwort darauf ist. Deshalb sollten am Anfang Kennenlerngespräche, kleine Diskussionsrunden, gemeinsame Lektüre des Programms und Gespräche über die Lage im Ort stehen: Welche Probleme bewegen Jugendliche? Gibt es Konflikte an Schulen, Universitäten, Berufsschulen, Betrieben oder im Stadtteil?
Parallel dazu muss ein erster organisatorischer Kern entstehen. Oft reichen wenige verlässliche Personen, die regelmäßig zusammenkommen, diskutieren und erste Aufgaben übernehmen. Wichtig ist, dass diese Treffen nicht unverbindlich bleiben. Von Anfang an sollte geklärt werden, wann man sich wieder trifft, wer welche Aufgabe übernimmt und wie neue Kontakte eingeladen werden können.
Ein wichtiger Hebel ist die regelmäßige Verbreitung unserer Zeitung oder einer zentralen Publikation. Sie gibt dem neuen Ort politische Orientierung, schafft Gesprächsanlässe und verbindet die entstehende Gruppe mit der Gesamtorganisation. Wenn es vor Ort Interessierte gibt, sollte geklärt werden, wer sie persönlich besucht, die Zeitung übergibt, Rückmeldungen einholt und zu Treffen einlädt. Wo es noch keine Abonnements gibt, kann die Verteilung an Schulen, Universitäten, Berufsschulen, in Stadtteilen oder bei Veranstaltungen neue Kontakte schaffen.
Auch kleine öffentliche Aktivitäten sind wichtig. Eine neue Ortsgruppe muss nicht mit einer großen Veranstaltung beginnen. Sinnvoll sind überschaubare Schritte: ein Lesetreffen, ein offener Diskussionsabend, ein gemeinsamer Demonstrationsbesuch, ein Infostand, eine Film- oder Kulturveranstaltung oder ein Flugblatt zu einem lokalen Thema. Entscheidend ist, jede Aktivität auszuwerten: Wen haben wir erreicht? Wer war interessiert? Welche Fragen kamen auf? Wer kann zum nächsten Treffen eingeladen werden?
Beim Aufbau einer neuen Ortsgruppe muss die konkrete Lage vor Ort ernst genommen werden. Jeder Ort hat eigene Bedingungen. In einer Stadt kann eine Universität der wichtigste Ansatzpunkt sein, in einer anderen eine Berufsschule, eine Schule, ein Stadtteil, ein Jugendzentrum oder eine politische Bewegung. Deshalb sollte die entstehende Gruppe regelmäßig diskutieren, wo Jugendliche zusammenkommen, welche Probleme sie beschäftigen und wo die Organisation am sinnvollsten ansetzen kann.
Gleichzeitig Ortsgruppe braucht eine neue von Anfang an Verbindung zur Gesamtorganisation. Neue Gruppen dürfen nicht isoliert bleiben. Sie brauchen Unterstützung durch erfahrenere Mitglieder, Materialien, Schulungen, politische Einschätzungen und regelmäßigen Austausch. Regionale Koordinationen, benachbarte Ortsgruppen oder der Bundesvorstand können erste Treffen begleiten, Veranstaltungen unterstützen, Fragen beantworten und Erfahrungen aus anderen Orten weitergeben. Diese Unterstützung soll die neue Gruppe befähigen, selbstständig handlungsfähig zu werden.
Sobald ein verlässlicher Kreis entstanden ist, sollten Verantwortlichkeiten geklärt werden: Wer hält Kontakt zu Interessierten? Wer organisiert Treffen? Wer kümmert sich um Zeitung und Verteilung? Wer verwaltet Kontakte? Wer bereitet politische Diskussionen vor? Wer hält Verbindung zur regionalen oder bundesweiten Ebene? Diese Aufgaben müssen nicht sofort perfekt erfüllt werden, schaffen aber Verbindlichkeit und verhindern, dass alles an einer einzelnen Person hängt.
Ein weiterer Schritt ist bewusste Mitgliederarbeit. Interessierte, die regelmäßig teilnehmen, unsere Ziele teilen und Verantwortung übernehmen wollen, sollten ermutigt werden, Mitglied zu werden. Dazu gehört, das Programm gemeinsam zu besprechen, Fragen zu klären und deutlich zu machen, was Mitgliedschaft bedeutet. Gleichzeitig brauchen neue Mitglieder Begleitung, kleine Aufgaben, politische Bildung und praktische Erfahrung.
Eine neue Ortsgruppe sollte möglichst früh nach außen treten. Sichtbarkeit ist wichtig, damit weitere Jugendliche erfahren, dass es den IJV in ihrer Stadt gibt. Das kann durch Social Media, Flugblätter, Plakate, Zeitungsverteilung, Teilnahme an Demonstrationen, Bündnisarbeit oder eigene Veranstaltungen geschehen. Dabei sollte immer eine konkrete Einladung ausgesprochen werden: zum nächsten Treffen, zu einer Veranstaltung, zu einem Lesekreis, zu einer Kampagne oder zur Mitarbeit an einer Veröffentlichung.
Wenn der Kern stabiler wird, kann die Gründung der Ortsgruppe durch eine entsprechende Versammlung und unter Aufsicht des Bundesvorstandes vorbereitet werden. Dafür sollte gemeinsam ausgewertet werden, ob es regelmäßige Treffen gibt, ob mehrere Mitglieder oder verlässliche Aktive vorhanden sind, ob Aufgaben verteilt werden können, ob eine politische Orientierung für den Ort besteht und ob die Verbindung zur Gesamtorganisation funktioniert. Eine Gründung sollte Ausdruck einer tatsächlichen gemeinsamen Arbeit sein.
Nach der Gründung beginnt die eigentliche Arbeit erst richtig. Eine Ortsgruppe muss Treffen fortsetzen, neue Kontakte einbeziehen, Mitglieder gewinnen, die Zeitung verbreiten, politische Entwicklungen vor Ort bewerten, Kampagnen planen und Schritt für Schritt Basisarbeit aufbauen. Der Aufbau einer neuen Ortsgruppe ist also kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess, der stabil wird, wenn ein Kreis von Jugendlichen Verantwortung übernimmt und die Arbeit vor Ort selbstständig weiterführt.
